Eigentlich_kommt_alles_aus_dem_Boden._Aus_Gaia..mp3 herunterladen (7.68 MB)
Gelesen von Maria Hofstätter
Eigentlich kommt alles aus dem Boden. Aus Gaia (20), der Mutter Erde. Auch wir selbst kommen aus der Erde, wie es heißt. Wir sind aus Lehm, Sand, Ton (1) und Wasser. Im Norden finden die Götter zwei Baumstämme - einen gelben, einen roten (eine Esche und eine Ulme) - (16) und erfinden Mann und Frau. In China formt die Göttin aus gelbem Lehm Figuren. Dann taucht sie ein Seil (10) in Schlamm und schleudert es umher: aus den herabtropfenden Schlammspritzern entstehen die vielen Menschen. Und immer braucht es den Atem, denn das Leben wird eingehaucht: Aer ist Luft und Luft ist Ton, Aria ist Aria. Wind und Gesang. Selbst die Luft kommt so aus der Erde. Das Wasser kommt aus der Erde, die Steine (11) kommen aus der Erde, die Pflanzen kommen aus der Erde und damit die Tiere. Und Pflanzen, Tiere und Pilze (13) sind sogar in der Erde drinnen. In einer Handvoll Erde leben Milliarden Lebewesen als kleine Zellen in kleinen Zellen. Mehr als es Menschen gibt.
Sie kamen - so wie der exzentrische Fitzcarraldo - aus Irland oder Schottland und brachten die schräge Religion in diese Gegend. Natürlich mit dem Schiff. Übers Meer, über die endlosen Ebenen und die hohen, steilen Berge. Vielleicht schleppten sie ihr Schiff über den Granit wie die Molly Aida (02) durch den peruanischen Regenwald. Jetzt ankert es, der Bug zeigt Richtung Madre de Dios.
Eine kleine Zelle, una cella ad aquam, war der Beginn für die Leute, die patres heißen, obwohl sie keine Väter sind. Alles natürlich angeblich und vermutlich. Ad aquam weil das Land hier durchschnitten ist von tiefen Tälern, durch die Wasser nach unten sickern, wandern, fließen und rauschen. Wer Ohren hat, hört sie unentwegt. Manchmal als Erinnerung in den schwebenden Orgelpfeifen (17) oder bei den fliegenden Fischen (08). Die, die durch den Regen gekommen sind und die Wasser überlebten, hüten ihr Glück (10), so gut es geht. Sie halten sich am gelben Seil, das die Göttin gewirbelt hat: höre (12)!
Blumen wachsen überall. Ihre Blüten (19) strahlen selbst da, wo offene Wunden in die Erde gerissen sind. Ungetüme treiben die Löcher in die Tiefe, eines neben dem anderen, und heben Gewicht, Härte, Kraft und Stärke (03). Wie wenn die Erde voller Höhlen wäre und bald als Ganzes einstürzte (20). Von oben schaut der Wächter (06) durch den tönernen Durchblick (07) auf Geäst und Gezweig. Da flattern die Seelen (09) von Izanagi und Izanami im Wald und lauschen ihren nachkommenden Kindeskindern, den Menschen. Ihre Gesichter sind von den Göttern gemacht - facies (05) - und aus den Mündern der Dichterinnen kommt der Klang der Poesie (04,10,14,15). Sie warnen vor dem verbotenen Weg. Wer das Gatter (18) überwindet und ihn geht, zahlt einen hohen Preis. Schau nicht zurück, schau nicht nach unten, höre in dich hinein, Lucius Laurentius!